Die letzte Träne im Videochat bevor der Tod kam – Späte Reue und ein trauriges Ende
Wir sind zwar schnell, doch manchmal ist der Tod schneller. Wir besuchten ein Altersheim in der Schweiz. Vor uns ein erfolgreicher 84-jähriger Unternehmer im Rollstuhl, der uns um einen Besuch gebeten hat. „Ich hatte alles und doch nichts“, so die ersten Worte des älteren Herrn, als wir das Zimmer betraten.
Der Millionär aus der Nähe von Zürich war seit einem halben Jahr in der Seniorenresidenz, weil er sich nicht mehr selbst versorgen konnte. Der Kopf war klar, nur der Körper macht nicht mehr mit. Diagnose Darmkrebs, der Tumor hat gestreut, körperliche Schmerzen, aber die seelischen waren mindesten genauso groß. Besuch war schon lange keiner mehr gekommen, obwohl er vorher angeblich so viele gute Freunde hatte. Ein trauriger alter Mann, der uns seine Lebensgeschichte erzählte und um einen letzten Wunsch bat.
In der Pharmaforschung reich geworden, Patente entwickelt, eine Firma aufgebaut und erfolgreich in Übersee und Asien vermarktet, führte der Ex-Unternehmer ein Leben auf der Überholspur. Kein Luxus und Lifestyle wurde ausgelassen. Society, Jet-Set von der Schweiz bis nach Monaco und sonstige Metropolen, er kannte sie alle, war gut vernetzt, Liebe, Frauen waren relativ leichte Vergnügen, mit genügend Geld mangelt es auch daran nicht. Verheiratet war er nie, dazu kam es nicht. Hier und da mal eine längere Affäre, Beziehungen kamen und gingen und wenn mal nichts greifbar war, hat man mit Geld etwas nachgeholfen. Wäre da nicht eine kleine Affäre gewesen, die er sein Leben lang verschwiegen hatte und vor seinem Tod doch noch tief in der Seele brannte.
Seine Tochter, Ergebnis einer Affäre, die er in seinem Leben nur zweimal gesehen hatte und das war schon Jahre her. Der Kontakt kam nie richtig zustande, zumal der Millionär mehr auf sich selbst fokussiert war und na ja, eigentlich wollte er es auch nicht wirklich. Ein Fehler, den der 84-Jährige tief bereute. Mit Tränen im Gesicht bat er uns darum, sie zu finden, um einen letzten Kontakt zu ihm herzustellen.
Solche Einsätze sind bei der ManagerSOS nicht selten und meistens ein Wettlauf mit der Zeit. So auch in diesem Fall, weil die Tochter nach Südamerika ausgewandert war, unter einem anderen Namen geheiratet hatte und sonstige Details nahezu komplett fehlten. Südamerika, riesiger Kontinent, zahlreiche Länder, kaum Hinweise und ein todkranker Mann dessen Abschied unaufhaltsam näher kam. Einziger Hinweis, ein Foto aus Brasilien und das war über 30 Jahre alt.
Ausgestattet mit unbegrenztem Budget wurde unser Team wurde in zwei Hälften aufgeteilt, eines suchte nach Hinweisen am Heimatort, das andere Team flog nach Rio de Janeiro und eine eilige Suche begann. Erfolgsaussichten lagen bei maximal 10 %. 9 Tage lang wurden nahezu jeder noch so kleine Hinweis im Eilverfahren bearbeitet, immer wieder gähnende Leere, bis ein Eintrag in einem Kirchenregister unser Team am 14. Tag nach Venezuela führte. Hier war tatsächlich ein Heiratsvermerk vorhanden, der uns zu Angehörigen des Ehemannes der Gesuchten führte. Dort angekommen erfuhren die Ermittler den Aufenthaltsort der Tochter und haben diese letztlich in Ecuador gefunden. Die Zeit lief, denn während dessen verschlechterte sich der Zustand des Mandanten in der Schweiz zusehends, der Tod kam näher, ob wir wollten oder nicht. Das Team war mittlerweile 16 Tage nonstop unterwegs, schafften es mit aufwendiger Überredungskunst, dass ein Videoanruf zwischen Tochter und Vater zustande kam. Im Video-Call ein Vater, der kaum noch sprechen konnte, geistig zwar klar, aber körperlich vom Tod gezeichnet und glasige Augen, aus denen beim Gespräch zwischen beiden Tränen liefen. Für ein Treffen war es leider zu spät und dennoch, der letzte Kontakt war da. Eine Krankenschwester aus dem Pflegeheim: „Er hat auf diesen einen Moment gewartet.“ 18 Stunden nach dem Anruf verstarb der Mandant.


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