Manche Fälle im Zuge des Krisenmanagements der ManagerSOS enden anders als gedacht. Ein aufgeregter Anruf einer Unternehmerin aus der Schweiz, die ihren Ehemann vermisste, rief eine großangelegte Suchaktion der ManagerSOS Krisenmanager ins Leben. Hintergrund war das plötzliche Verschwinden eines erfolgreichen Unternehmers ohne jede Spur und scheinbar ohne jeden Grund. Die Ehefrau nebst Familie fand weder einen Brief, noch sonst irgend eine Nachricht, die eine plausible Begründung enthielt, was einen Anlass dazu geben würde, das Verhalten des Millionärs zu erklären.
Routinemäßig wurde durch die erfahrenen Ermittler das gesamte berufliche und private Umfeld des Vermissten systematisch auf den Kopf gestellt. Die Bandbreite der Spekulationen reichte von Entführung über eine Gewalttat, bis hin zum Untertauchen aufgrund einer Familienkrise mit psychischer Probleme des Gesuchten. Nach umfangreichen Recherchen konnten alle Punkte nach und nach entkräftet werden, sodass die Bandbreite der Erklärungen zunehmend in bloße Vermutungen und einer wilden Gerüchteküche ohne brauchbare Beweise endeten.
Das Suchgebiet umfasste einige Länder, da der Geschäftsmann beruflich viel unterwegs war und führte zu Metropolen wie Monaco, der Côte d’Azur, München, Hamburg, Berlin, bis nach Saudi-Arabien und Hongkong. Weder Geschäftspartner noch Familienangehörige und Freunde konnten Gründe und Aufenthaltsort des Verschwundenen benennen. Auffällig war dabei das fragwürdige Verhalten einiger Familienmitglieder. Hier kamen den Ermittlern im Zuge der Recherchen Zweifel, ob es der Familie wirklich um den Gesuchten oder vielmehr um dessen Vermögen gehe. Ein Unternehmer schwimmt im Reichtum und ist plötzlich verschwunden, na ja, da kann man schon mal auf dumme Gedanken kommen.
Wie so oft brachte Kommissar Zufall den entscheidenden Hinweis. Eine auf einem kleinen Zettel notierte Rufnummer im Abfall führte zu einer Privatklinik, in der der Gesuchte ohne Wissen der Familie zuvor in Behandlung war. Hier hatte der erfolgreiche Manager bedauerlicherweise die Diagnose Krebs im Endstadium erhalten und war aus der Klinik verschwunden. Durch eine gezielte Infiltration von Mitarbeitern der ManagerSOS im Umfeld von Patienten und Klinikmitarbeitern, gelang schließlich der Durchbruch.
Der Millionär hatte sich auf eine Berghütte, ohne jegliche Kommunikation zwischen der Schweiz und Italien, zurückgezogen und sich offensichtlich auf das nahe Ableben vorbereitet. Die Worte aus Sicht eines Sterbenden werden den Ermittlern noch lange im Ohr bleiben. Ich habe in meinem Leben für die Familie alles getan, was ich konnte. Es ging ihnen immer gut mit reichlich finanziellem Polster, jedoch war die Gier größer, als ein menschliches Miteinander. Darunter habe ich sehr gelitten. Warum soll ich also bei Menschen bleiben, denen der Reichtum wichtiger ist als mein Leben? Mitnehmen kann ich nichts, aber ich kann der Gier noch meinen letzten Stempel aufdrücken. Nein, ich halte es wie die Elefanten. Wenn du spürst, dass deine Zeit gekommen ist, ziehst du dich zurück und sorgst für einen friedlichen Abgang.
Drei Wochen später verstarb der Unternehmer, die gesamte Familie wurde enterbt und das Vermögen mithilfe von kooperierenden Rechtsanwälten der ManagerSOS auf Wunsch des Millionärs in eine Stiftung überführt. Zurück blieben nur die verdutzten Gesichter einer bis auf den Pflichtteil leer ausgehenden Familie. Dem Elefanten war es gelungen, würdevoll die letzte Reise in die Ewigkeit anzutreten.