Krisenmanagement heißt zuweilen auch, Wahrheiten ungeschönt ans Tageslicht zu befördern, um Ursachen und Wirkung zu analysieren. Hilfreich dabei ist es, die Diskussion nicht nur mit Fachbegriffen der Extremismusforschung zu füllen, sondern vielmehr dabei die Sichtweise der Normalbevölkerung zu beachten. Was sehen die Menschen und wie werden politische und wirtschaftliche Taten und Äußerungen empfunden? Querdenker, Reichsbürger, Linksextremisten, Impfgegner, Impfbefürworter nur als Phänomen, entsprungen aus der pandemischen Corona-Lage zu reduzieren ist sehr naiv und einfach gedacht. Dieser momentan gewaltbereiten Entwicklung gehen Ereignisse voraus, die sich über Jahrzehnte im Rahmen der politischen und wirtschaftlichen Entstehungsgeschichte angestaut haben.
Betrachten wir Politik und Wirtschaft aus der Sicht des Ottonormalverbrauchers.

Kennen sie noch den Spruch: „Die da oben machen sowieso, was sie wollen?“ Die Glaubwürdigkeit des Staates stand schon vorher infrage. Was sehen die Bürger? Skandale, Affären, Lobbyismus, Klüngeleien, Ausreden, Schuldzuweisungen, immer höhere Kosten und gesetzliche Vorgaben, gepaart mit Politikern und Wirtschaftsführern, die sich Diäten erhöhen und horrende Zahlungen auf Kosten der Steuerzahler kassieren. Demokratiefeindliche Staatsgegner sind die, die genau diese Machenschaften kritisieren und anprangern. Mal aus der rechten Ecke, aus der Mitte der Gesellschaft oder eben ganz links. Viel Wirbel in den Medien und jeder positioniert sich in der Ecke, die ihm gefällt. Schubladen werden geschaffen und das Gegenüber wird entsprechend einsortiert. Die wochenlangen Berichterstattungen treiben die Gesellschaft auseinander und gießen zuweilen mit reißerischen Headlines noch Öl ins Feuer. Die Spaltung entsteht und die Politik erklärt, man müsse unbedingt etwas dagegen unternehmen. Wer von dieser Spaltung und den Feindbildern profitiert, diese Frage wird galant umschifft. Und Framing, Bashing im Internetzeitalter gehört schon lange zum Standard, Machtansprüche gezielt zu steuern und entsprechend in die gewünschte Richtung zu lenken. Die Entstehung von Feindbildern, na ja, zuweilen eine recht nützliche Waffe aus der Sicht der Profiteure. Ja, wir haben ein Extremismus-Problem, aber auch die Kämpfer sind nicht unschuldig oder wie erklärt man solche Aussagen von politischem Spitzenpersonal? Dieses hier sind nur wenige und doch aussagekräftige Beispiele neben vielen anderen Äußerungen und Zitaten:

Die Wahrheit in der Politik zu sagen, sei laut Lauterbach der „Tod“. https://www.youtube.com/watch?v=o132JOSBGUY

Siegmar Gabriel auf dem Landesparteitag der SPD in NRW. Er nennt die Bundesregierung als das, was sie ist – eine Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) und Frau Merkel ihre Geschäftsführerin.
https://www.youtube.com/watch?v=iUFegOtmvtE.

Seehofer: Die, die gewählt sind, hätten nichts zu entscheiden, und die, die entscheiden, seien nicht gewählt worden.
https://www.youtube.com/watch?v=UBZSHSoTndM.

Gregor Gysi: Besatzungsrecht immer noch gültig.
https://www.youtube.com/watch?v=hIu80oSC728.

Oskar Lafontaine: „Deutschland ist keine Demokratie, sondern eine Oligarchie“
https://www.youtube.com/watch?v=nocS-cD4whE

Innenminister Strobl zum Staatsangehörigkeitsausweis – Reichsbürgerausweis: Der Staatsangehörigkeitsausweis ist das einzige Dokument, mit dem das Bestehen der deutschen Staatsangehörigkeit in allen Angelegenheiten, für die es rechts – erheblich ist, verbindlich feststellt, wird (§ 30 StAG). Der deutsche Reisepass und Personalausweis sind kein Nachweis für die deutsche Staatsangehörigkeit, sie begründen nur eine Vermutung, dass der Inhaber die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. (Landtag von Baden-Württemberg 16. Wahlperioden Drucksache 16 / 1883 Eingegangen: 04. 04. 2017 / ausgegeben: 06. 06. 2017 1)

https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/1000/16_1883_D.pdf

Rechtsextreme benutzen dieses Schriftstück als Bestätigung ihrer Thesen und diese Aussagen kamen von Menschen, die es besser wissen müßten.

Solche und unzählige andere Aussagen alter und neuer Politiker werden als unwichtig und unglücklich bezeichnet, aber sie dienen diesen Gruppierungen als Bestätigung und brennen sich tief in das kollektive Gedächtnis der Extremisten, aber auch der Gesamtbevölkerung ein. Brandbeschleuniger, die nicht erst während der Corona-Pandemie entstanden sind. Nur in der Coronazeit hatten die Menschen angesichts zahlreicher Ungereimtheiten (Maskenaffäre etc.) mehr Zeit zum Nachdenken. Eine Entladung ist leider momentan nicht ausgeschlossen. Der Staat und die Wirtschaft haben in dieser Corona-Lage ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Die rote Linie ist überschritten. Leader und Spitzenkräfte der alten und neuen Zeit, aus Medien, Wirtschaft und Politik, die derartigen Nonsense von sich geben, müssen sich über selbstgemachten Extremismus nicht wundern. Die Pandemie ist nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann.